H1-Schmierstoffe: MOSH, MOAH, POSH in der Lebensmittelindustrie

Immer mehr Lebensmittel werden industriell verarbeitet. D.h. sie kommen mit Maschinen und damit auch Schmiermitteln in Kontakt. Trotz spezieller Schmierstoffe für die Lebensmittelindustrie gibt es immer wieder Bedenken hinsichtlich Verunreinigungen in der Prozesskette, insbesondere in Bezug auf Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH, Mineral Oil Hydrocarbons) wie MOSH, MOAH und POSH. Doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Schmierstoffe in der Lebensmittelverarbeitung

Insgesamt gelten in der Lebensmittelindustrie strengere Richtlinien für Schmierstoffe, denn ein unbeabsichtigter Kontakt mit Lebensmitteln kann hier nie gänzlich ausgeschlossen werden.

Diese Schmierstoffe für die lebensmittelverarbeitende Industrie, oft H1-Schmierstoffe genannt, müssen also auch bei Kontakt mit Lebensmitteln einen sicheren Gebrauch gewährleisten.

Schmierstoffe bestehen hauptsächlich aus Grundölen. Dabei bezieht sich der Sättigungsgrad in Grundölen auf die Anzahl an Doppel- oder Dreifachbindungen innerhalb der einzelnen Moleküle. Je ungesättigter die Moleküle, desto reaktionsfreudiger sind diese, wodurch unerwünschte Bestandteile entstehen können (z.B. Säuren und Ablagerungen).

Um die Schmierstoffe „sicherer“ zu machen setzen Schmierstoffhersteller im Lebensmittelbereich auf einen hohen Anteil an gesättigten Molekülen. Zusätzlich werden unerwünschte ungesättigte Aromaten aufwendig abgetrennt oder durch Auspalten verändert.

In der Lebensmitelindustrie verwendete Schmierstoffe müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Das zeigt sich unter anderem an den nachfolgenden Anforderungen an H1-Schmierstoffe:

Besondere Vorschriften

Die NSF (National Sanitation Foundation, eine US-amerikanische Institution, welche sich für die Klassifizierung und Zulassung von Schmierstoffen in sämtlichen Bereichen der Lebensmittelproduktion verantwortlich zeichnet) schreibt vor, dass ein H1-Schmierstoff nur bestimmte Grundöle enthalten darf. Dazu zählen u. a. medizinische Weißöle oder synthetische Öle wie Polyalphaolefine (PAO), Silikonöle und Polyalkylenglykole.

Strenge Vorschriften wie die Norm CFR 178.3620 der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA sind zu erfüllen.

H1-Schmierstoffe müssen von unabhängigen Gremien wie z.B. der NSF International oder InS Services überprüft sowie mit einer eindeutigen Registrierungsnummer ausgezeichnet und etikettiert werden.

Um das Kontaminationsrisiko zu minimieren, muss eine international anerkannte Risikoanalyse (z.B. HACCP: Hazard Analysis and Critical Control Points) die korrekte Nutzung eines Schmierstoffes in der Lebensmittelindustrie begleiten.

Besonderheiten an die Bestandteile der Schmierstoffe

Die Moleküle der Grundöle durchlaufen mehrere aufwendige Produktionsprozesse damit höchstens Spuren von Aromaten darin verbleiben.

Ist der Kontakt mit Lebensmitteln unvermeidlich, darf die Menge an Schmierstoffen in Lebensmitteln 1 ppm bei Silikonölen und 10 ppm bei allen anderen Grundölen nicht überschreiten.

Mineralölübergänge auf Lebensmittel – worauf basieren die Bedenken?

Trotzdem wird bereits seit längerem der potenzielle Übergang von Kohlenwasserstoff-Verbindungen auf Lebensmittel diskutiert. Dabei geht es vor allem um MOH, MOSH, MOAH und POSH.

Vor allem Medienberichte über neue, standardisierte analytische Testverfahren zum Nachweis von Spuren von Kohlenwasserstoffverbindungen in Lebensmittel führten zu Bedenken.

Allerdings zeigen diese Testmethoden nur, dass diese oder ähnliche synthetische oder natürlich vorkommenden Moleküle vorhanden sind. Aussagekräftige Zusammenhänge zwischen den Bestandteilen und daraus resultierenden Gefahren jedoch fehlen. Ebenso können die Testmethoden den Ursprung der Substanzen nicht ermitteln.

MOH (Mineral Oil Hydrocarbons):
Mineralölkohlenwasserstoffe

MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons):
Gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, z.B. kettenförmige Paraffine und ringförmige Naphthene

MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons):
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, sind alle Mineralölkohlenwasserstoff-Gemische in denen ein aromatischer (ungesättigter) Ring enthalten ist. Dabei gehören sowohl unproblematische Kohlenwasserstoffe als auch krebserregendem polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe zu den aromatischen Ringen. In konventionellen Mineralölen ist beides zu finden, also gesättigte Kohlenwasserstoffe und aromatische Ringe

POSH (Polyolefinic Oligomeric Saturates Hydrocarbons):
Oligomere gesättigte Kohlenwasserstoffe, welche aus gesättigten Kohlenwasserstoffen von Polyolefinen und damit verwandten Produkten bestehen

Für die Belastung von Lebensmitteln mit Mineralöl kommen, neben der umweltbedingten Grundbelastung durch Verbrennungsprozesse verschiedene Quellen in Betracht, wie zum Beispiel:

Behandlung des Erntegutes mit mineralölhaltigen Mitteln, Pestizide, Schmier- und Hydrauliköle oder Abgase der Erntemaschinen, Generatoren oder Gabelstapler können bereits während der Produktion zu Rückständen von Mineralöl in den Lebensmitteln führen

Auch beim Transport in mineralölbelasteten Transportboxen, imprägnierten Jute- und Sisalsäcken oder Umverpackungen aus Altpapier kann Mineralöl in Lebensmittel gelangen. Bei Wartungs- bzw. Reinigungsarbeiten eingesetzte Abgase, ölende Maschinenteile oder Fette stellen eine weitere Kontaminationsquelle während des Transportes da.

Zuletzt zählt auch die Verpackung selbst zu den möglichen Kon­taminationsquellen: Recyclingpapier (Altpapier) und Druckfarben können Mineralöle enthalten und verschiedene Fak­toren wie die Lagertemperatur, Lagerzeit bzw. Kontaktzeit, Zusammensetzung des Lebensmittels und Aufbau der Verpackung beeinflussen die Migration von Mineralöl ins Lebensmittel.

Aber auch Naturprodukte wie Fisch und Bienenwachs zählen zu den möglichen Kontaminationsquellen

Fazit

Im Falle eines hohen MOH-Anteils müssen alle möglichen Ursachen geprüft werden

Da MOSH und MOAH aus verschiedenen Quellen stammen können, müssen im Falle eines hohen MOH-Anteils alle möglichen Ursachen geprüft werden. Enthalten H1-Schmierstoffe PAO-Grundöl, werden diese möglicherweise fälschlicherweise als MOSH erkannt. Denn auch die neuesten Testmethoden können nicht zwischen diesen Molekülen, der speziell konzipierten und kontrollierten H1-Schmierstoffe, und den unerwünschten nicht H1-Molekülen unterscheiden. D.h. beide werden als MOSH und in manchen Fällen auch als MOAH erkannt

Der Einsatz von Schmierstoffen mit NSF-H1 Zertifizierung gehört in der Lebensmittelindustrie schon lange zum Pflichtprogramm. Aber gerade in diesem Bereich haben Schmierstoffe oft mehr zu leisten als in anderen Industrien. Deshalb ist die Formulierung der lebensmitteltauglichen Spezialschmierstoffe relativ komplex. Da sie nur aus den von der FDA (Food and Drug Administration) bzw. der NSF als unbedenklich gelisteten Komponenten hergestellt werden dürfen, können sie technisch gelegentlich an ihre Grenzen stoßen.

Daher gilt noch mehr als beim Einsatz von konventionellen Schmierstoffen: Für die Formulierung und Auswahl des optimalen Schmierstoffs ist ein umfassendes Fachwissen und ein reicher Schatz an praktischen Erfahrungen unerlässlich.

Sie haben Fragen zum Thema Industrieschmierstoffe? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

2018-05-23T11:28:06+00:00 Kategorien: Industrieschmierstoffe|Tags: |